31.10.2025 | Über 200 Betriebsräte aus ganz Deutschland kamen Ende Oktober in Bamberg zusammen, um sich über die Zukunft von Schaeffler auszutauschen. Die Versammlung bot Raum für Impulse, kritische Fragen und klare Positionen – insbesondere zu Standortentscheidungen und zur Situation der Dual Studierenden. Ein starkes Zeichen für Mitbestimmung und Dialog in Zeiten des Wandels.
Am 27. und 28. Oktober 2025 fand in Bamberg die zweite Betriebsräteversammlung nach der Fusion mit Vitesco statt. Über 200 Betriebsrätinnen und Betriebsräte aus 32 deutschen Schaeffler-Standorten kamen zusammen, um sich standortübergreifend zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen und die Zukunft des Unternehmens aktiv mitzugestalten.
Der erste Tag stand ganz im Zeichen der Reflexion: In offenen Diskussionsrunden wurden Erfahrungen aus dem ersten Jahr nach der Fusion geteilt, Herausforderungen benannt und zentrale Fragen für den Dialog mit dem Vorstand erarbeitet.
Der zweite Tag begann mit Impulsvorträgen von führenden Vertreterinnen und Vertretern der Schaeffler Gruppe:
Ein besonderer Impuls kam von Prof. Dr. Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management, der die Transformation der Automobilindustrie beleuchtete.
Andreas Heil, Betriebsratsvorsitzender aus Steinhagen, äußerte sein Unverständnis über die geplante Schließung:
„Ich kann die Entscheidung zur Schließung unseres Standorts nicht nachvollziehen – weder wirtschaftlich noch menschlich.“
Er übergab CEO Klaus Rosenfeld einen sechsseitigen Brief eines ehemaligen Kollegen:
„Wir sprechen hier nicht nur über Zahlen, sondern über Menschen, über Kolleginnen und Kollegen, die über Jahre hinweg mit Herzblut für Schaeffler gearbeitet haben.“
Dirk Kenter, Betriebsratsvorsitzender aus Werdohl, äußerte sich kritisch zur aktuellen Situation am Standort:
„Wird im Vorstand auch analysiert, welches Know-how verloren geht, wenn Schaeffler Engineering den Konzern verlässt?“
Er bezog sich auf die laufenden Prüfungen des Konzerns, bei denen für den Standort Werdohl derzeit zwei Optionen in Betracht gezogen werden: ein möglicher Verkauf oder alternativ eine Neuausrichtung innerhalb des Konzerns.
„Zertifizierungen sind an kleineren Standorten wie Werdohl oft einfacher und schneller umzusetzen als an großen Standorten wie Bühl oder Herzogenaurach.“
Am Nachmittag wurden die Impulse reflektiert und durch Berichte ergänzt:
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die KJAV mit ihrer Aktion zur Tarifvertragssituation für Dual Studierende. Kritisiert wurde insbesondere die Stichtagsregelung, die zu einer ungleichen Behandlung führt und bestehende Verträge nicht berücksichtigt. Die Aktion fand breite Zustimmung und verdeutlichte die Relevanz des Themas für die junge Generation im Unternehmen.
Die Versammlung war ein starkes Zeichen für gelebte Mitbestimmung, kritischen Dialog und den gemeinsamen Willen, Schaeffler zukunftsfähig zu gestalten. Der Austausch über Standorte hinweg und die klaren Botschaften an den Vorstand zeigen: Nur gemeinsam können wir den Wandel erfolgreich gestalten. Fotos: R. Müller